Retinalamin — EU-Forschungsleitfaden.
Retinalamin ist ein wasserlöslicher Polypeptidkomplex aus der Retina von Rindern und in Russland als Arzneimittel registriert. Es ist ein Gemisch vieler Peptidfraktionen und kein einzelnes Molekül; die klinische Literatur ist klein und stammt überwiegend aus dem eigenen Netzwerk der Entwickler.
Was ist Retinalamin?
Retinalamin ist ein Gemisch von Peptidfraktionen aus Rinderretina und hat daher keine einheitliche Formel, kein Molekulargewicht und keine CAS-Nummer. Es wurde in Sankt Petersburg entwickelt (Khavinson und Kollegen, Institut für Bioregulation und Gerontologie) und wird in Russland bei Netzhauterkrankungen eingesetzt. Die russische Fachinformation beschreibt eine reparative, retinaschützende Wirkung auf Photorezeptoren und Netzhautgewebe; den Entwicklern nahestehende Autoren vermuten, dass kurze Peptide die Genexpression in Netzhautzellen regulieren. Dieser Mechanismus ist eine Annahme der entwickelnden Gruppe und wurde beim Menschen nicht unabhängig belegt.
Was zeigt die Forschung?
Die veröffentlichte Humanliteratur ist überwiegend russischsprachig, klein und stammt zu großen Teilen aus dem eigenen Netzwerk der Entwickler; in der internationalen Literatur wurde keine große unabhängige randomisierte Studie gefunden. Den Entwicklern nahestehende Autoren (Khavinson et al., Stem Cell Reviews and Reports 2019) behaupten, dreißig Jahre Einsatz von Peptid-Bioregulatoren in der Augenheilkunde hätten die Sehfunktion bei 80 % der Patienten verbessert, doch diese Übersicht enthält keine Studiendaten. Eine Metaanalyse von 2018 (Erichev, Petrov, Volzhanin, Ophthalmology in Russia) behauptete Wirksamkeit bei trockener altersbedingter Makuladegeneration, die Zeitschriftenseite zeigt jedoch einen Rückzugshinweis; auf sie sollte man sich nicht verlassen. Eine Arbeit von 2020 in Vestnik Oftalmologii verglich Applikationswege beim Glaukom und kam zu dem Schluss, Retinalamin sei in frühen und mittleren Stadien am wirksamsten; die Zahlen ließen sich nicht prüfen und werden hier nicht wiedergegeben. Eine Studie von 2021 nutzte ein Kaninchenmodell mit lichtinduziertem Netzhautschaden, also reine Tierdaten. Eine pharmakokinetische Studie wurde nicht gefunden.
Rechtlicher Status in der EU
Retinalamin ist in der EU nicht als Arzneimittel zugelassen: Es wurde keine EMA- oder nationale EU-Zulassung gefunden, wobei nicht jedes nationale Register durchsucht wurde. In Russland ist es ein registriertes Arzneimittel: Die Fachinformation auf medi.ru nennt die Registriernummer ЛС-000684 für ein Lyophilisat zu 5 mg zur intramuskulären und parabulbären Injektion, und die RLS-Seite nennt GEROPHARM, Sankt Petersburg, als Hersteller. Die Registrierungsdaten unterscheiden sich zwischen den beiden russischen Seiten, daher sollte das staatliche Arzneimittelregister geprüft werden. Die registrierte Form ist eine Durchstechflasche mit gefriergetrocknetem Pulver, während ein Anbieter einen Fertigpen (10 mg in 2 mL) aufführt; das Anbieterprodukt ist also nicht die registrierte Darreichungsform. Retinalamin wird auf der WADA-Verbotsliste 2026 nicht genannt (auf der WADA-Seite nicht verifiziert).
Molekulare Informationen
Pharmakokinetik
Verbleibende Wirkung über die Zeit
Jede Linie steht für eine Lagerbedingung: Sie beginnt bei 100 % und fällt, während Wirkung verloren geht. Oberhalb der gestrichelten 80-%-Linie gilt das Material als zuverlässig — für genaue Werte mit der Maus darüberfahren.
⚠ Pro Wirkstoff aus der Molekülstruktur modelliert — Kettenlänge, Zyklisierung, oxidations- und deamidierungsanfällige Reste sowie Lichtempfindlichkeit. Nur als Richtwert, nicht laborgemessen pro Charge.
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Referenzen
- Offizielle russische Fachinformation: Zusammensetzung (Polypeptidkomplex aus Rinderretina), Indikationen, Hersteller, Lagerung und Haltbarkeit. Retinalamin (lyophilisate for intramuscular and parabulbar injection, 5 mg). Official instruction, RLS Encyclopedia of Medicines (Russia). Quelle
- Russische Fachinformation: Registriernummer ЛС-000684, Gegenanzeigen, kein pharmakokinetischer Abschnitt. Retinalamin. Instruction for use (Ретиналамин. Инструкция по применению), medi.ru. Quelle
- Übersicht von den Entwicklern nahestehenden Autoren: Herkunft des Produkts und Behauptung einer Sehverbesserung bei 80 % der Patienten, ohne Studiendaten. Khavinson V, Trofimova S, Trofimov A, Solomin I. Stem Cell Rev Rep 2019. Quelle
- Russischsprachige Glaukomstudie zum Vergleich von Applikationswegen von Retinalamin (Autorenliste und Zahlen nicht verifiziert). Peptide bioregulators: delivery and efficacy. Vestn Oftalmol 2020;136(2):56-62. PubMed 32366071Quelle
- Metaanalyse mit behaupteter Wirksamkeit bei trockener AMD; die Zeitschriftenseite zeigt einen Rückzugshinweis, daher als Warnung aufgeführt. Erichev VP, Petrov SYu, Volzhanin AV. Ophthalmology in Russia 2018;15(1):69-79 (retraction notice on the journal page). Quelle
- Reine Tierdaten (Kaninchen) zu retinaprotektiven Effekten (Titel und PMID nur in einer Suchliste gesehen). Retinoprotective effects of Retinalamin studied in an experimental model of photochemical damage to rabbit retinas. Vestn Oftalmol 2021. PubMed 34726859Quelle